Ausführliche Informationen zum Projekt:

faMILIENGRÜNDUNG IM stUDIUM

Rahmenbedingungen für eine Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie.
Eine Panelstudie in Baden-Württemberg.

SoFFI K.
Sozialwissenschaftliches
FrauenForschungsInstitut
der Kontaktstelle für
praxisorientierte
Forschung e.V. an der
Evangelischen
Fachhochschule


Projekthintergrund

Den Hintergrund des Projektes bilden einige demographische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte.

Das Alter der Frauen bei der ersten Geburt bzw. bei der Familiengründung steigt kontinuierlich.
Im Jahr 1980 hatten verheiratete Frauen in Westdeutschland durchschnittlich im Alter von 25 Jahren (unverheiratete im Alter von 23,5 Jahren) ihr erstes Kind geboren.
Im Jahr 2000 stieg das Alter bei der ersten Geburt bei verheirateten Frauen auf durchschnittlich 29 Jahre, bei unverheirateten auf 28 Jahre (Engstler 2003: 77).

Zudem nimmt der Anteil kinderloser Frauen und Männer zu, wobei bei Frauen ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Höhe der Ausbildung und der Elternschaft besteht. Nach Analysen des Sozio-oekonomischen Panel aus dem Jahr 2003 bleiben in Deutschland 20% aller Frauen kinderlos. Der entsprechende Anteil Kinderloser unter den Akademikerinnen liegt mit ca. 25% über diesem Durchschnitt (Schmitt, C.; Winkelmann, U. (2005): Wer bleibt kinderlos? Sozialstrukturelle Daten zur Kinderlosigkeit von Frauen und Männern. DIW Discussion Papers 473. Berlin).
Diese Daten weisen auf Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hin.

Dem hohen Anteil kinderloser Akademikerinnen steht jedoch ein ausgeprägter Kinderwunsch bei angehenden Akademikerinnen gegenüber. So wünschten sich in einer Befragung des HISBUS online panels aus dem Jahr 2002 nur 6 % der Studentinnen explizit keine Kinder. Der überwiegende Teil der Befragten favorisiert eine Zwei-Kind-Familie, ein Viertel wünscht sich sogar drei und mehr Kinder. Auch die überwiegende Mehrzahl der Studenten wünscht sich Kinder, nur 7 % wollen ausdrücklich keine.

Für die genannten demographischen Fakten gibt es mehrere Erklärungs-Ansätze.

Zum einen wird die Verweildauer in Ausbildungsinstitutionen (Institutionen-Effekt), die bei einem Studium erheblich ist, dafür verantwortlich gemacht.
Das bevorzugte Phasenmodell Schule, Berufsausbildung, Berufsstart und Festigung der Berufsposition führt, wenn überhaupt zu einer späten Familiengründung. Der zuerst aufgeschobene Kinderwunsch wird oftmals nicht mehr realisiert.

Vor allem hochqualifizierte Frauen sehen sich beim Wunsch nach Kindern oftmals in einem "Entscheidungsnotstand". Bei fehlender Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheiden sie sich eher für den Beruf als für die Elternschaft.

Eine dritte Erklärung liegt in der Furcht der Frauen vor dem sogenannten "Traditionalisierungsschub". Damit ist gemeint, dass mit der Geburt eines Kindes für Frauen die Zeit ungleicher Chancen beginnt. Bis dahin vorhandene egalitäre Geschlechterbeziehungen (Berufstätigkeit beider Partner, häusliche Arbeitsteilung) verändern sich. Für Kinderbetreuung und Haushalt sind vorwiegend die Frauen zuständig.

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Projektgegenstand

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob ein Lebensphasenmodell, das Studium und Familiengründung zeitlich parallelisiert, bei allen Schwierigkeiten nicht auch Vorteile bieten kann.

Diese können darin liegen, dass im Studium im Hinblick auf Flexibilität der Zeiteinteilung, kommunikative Strukturen und Stärke sozialer Netzwerke u.U. bessere Bedingungen für die Kinderbetreuung gegeben sind als bei Erwerbstätigkeit.

Bei Studierenden sind zudem unkonventionelle Lebensformen und Einstellungen mit egalitären Lösungen bei der Kinderbetreuung und der häuslichen Arbeitsteilung eher möglich als bei traditionellen Lebensformen (z.B. Elternpaare im Berufsleben).
Nach den Ergebnissen der HISBUS-online Erhebung „Kinder eingeplant?“ von 2003 kann man Studenten zumindest was ihre Idealvorstellung von Elternschaft betrifft als Vorhut der „neuen Väter“ bezeichnen. Hypothetisch befragt nach der Vorstellung von der eigenen Tätigkeit (Studium / Job) in Abhängigkeit vom Alter der Kinder, wollen 49% nur teilzeitbeschäftigt sein, wenn sie ein Kind unter drei Jahren haben.

Auch wird bei Beginn der Elternschaft im Studium der Start in die Berufstätigkeit von den Problemen der Familiengründung entlastet, da beim Eintritt in den Beruf die Kinder dem betreuungsintensivsten Alter entwachsen sind.

Allerdings ist nicht zu leugnen, dass die Geburt eines Kindes während des Studiums für Mütter und Väter Belastungen mit sich bringt. Die Organisation des Studiums, die Teilnahme an Pflichtveranstaltungen, die Vorbereitung auf Prüfungen, die Kinderbetreuung und oftmals noch die Erwerbstätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes stellen studierende Eltern oft vor große Probleme. Dies vor allem deshalb, weil der Hochschulbetrieb bisher kaum auf die Bedürfnisse und die besondere Situation von Studierenden mit Kind eingestellt ist. Als Folge davon brechen viele studierende Eltern das Studium ab. Zwar sind die Gründe für eine solche Entscheidung vielfältig, nach einer Analyse der Studienabbrechenden des Studienjahrganges 1993 / 1994 geben jedoch 12 % der Frauen und 3 % der Männer (auch) an, dass Studium und Kinderbetreuung nicht mehr zu vereinbaren waren (HIS Kurzinformation A1/95: 51).

Im Zusammenhang mit der Chancengleichheit der Geschlechter sind politische Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie seit langem ein bedeutendes Thema in der öffentlichen Diskussion. Wie jedoch die Vereinbarkeit von Studium/Ausbildung und Familie ermöglicht und erleichtert werden kann, wird bisher kaum diskutiert. Hier setzt das Projekt „Familiengründung im Studium“ an. Es verfolgt schwerpunktmäßig folgende Fragen:

  1. Wie ist in Baden-Württemberg die soziale, finanzielle und Studien - Situation von Studierenden, die während des Studiums Eltern werden?
  2. Welche Regelungen werden zur Vereinbarkeit von Studium und Kinderbetreuung getroffen?
  3. Wie werden bei studierenden Paaren die familialen Aufgaben verteilt?
  4. Welche hochschulinternen und politischen Maßnahmen erleichtern die Gleichzeitigkeit von Studium und Elternschaft?

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Wie viele Studierende haben Kinder?

Das Hochschul-Informations-System (HIS) führt im Auftrag des Deutschen Studentenwerkes seit 1951 in regelmäßigen Abständen repräsentative Befragungen der Studierenden in Deutschland durch.
Die 16. Sozialerhebung von 2000 widmete sich dem Schwerpunktthema Studieren mit Kind.
Nach den Ergebnissen dieser Befragung sind 6,7% der Studierenden in Deutschland Eltern. Absolut ist das eine Gruppe von etwas mehr als 100.000 Personen. Jede 14. Studentin (7,1 %) und jeder 16. Student (6,3 %) muss neben dem Studium und oftmals noch einer Erwerbstätigkeit die Aufgaben der Kindererziehung erfüllen.
Besonders schwierig dürfte dies für die Alleinerziehenden sein, zu denen 25 % der Mütter, aber nur 7 % der Väter gehören.

Im Hinblick auf den Zeitpunkt der Geburt haben 38 % der Studentinnen und 25 % der Studenten ihr jüngstes Kind vor Studienbeginn bekommen. Ein Teil dieser vor allem älteren Studierenden hat erst nach Abschluss der Familiengründungsphase mit dem Hochschulstudium begonnen.

Das Projekt „Familiengründung im Studium“ widmet sich explizit der Gruppe, die während des Studiums Eltern geworden ist bzw. in dieser Phase weitere Kinder bekommen hat. In Baden-Württemberg sind das ca. 8.000 Mütter und Väter.
Zwar haben alle studierenden Eltern die Probleme der Vereinbarkeit, aber der Betreuungsaufwand für Babys und Kleinkinder stellt eine noch einmal höhere Anforderung dar als der für Kindergarten– und Schulkinder.

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Wen wollen wir befragen?

Unsere Studie beschränkt sich auf die 54 Hochschulen (Universitäten, Pädagogische Hochschulen und Fachhochschulen) in Baden-Württemberg. Befragen wollen wir Studierende, die während des Studiums Eltern geworden sind oder die ein Kind bis zum Alter von drei Jahren zu versorgen haben. Die Zahl dieser allein- oder zusammenlebenden Elternteile in Baden-Württemberg ist nicht bekannt.
Auf der Grundlage der repräsentativen Erhebungen für die Bundesrepublik lässt sie sich jedoch schätzen. Danach haben ca. 3.500 Mütter und 4.500 Väter in Baden-Württemberg während des Studiums ein oder mehrere Kind/er bekommen.

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Wie erreichen wir studierende Eltern?

Weder in Baden-Württemberg noch in anderen Bundesländern existieren Adressenlisten von Studierenden mit Kind(ern). Wir sind daher bei der Verteilung der Fragebögen auf die Mitwirkung und die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen angewiesen. Wir bitten daher unter anderem Gleichstellungsbeauftragte, Studiensekretariate, Sozialreferate der Asten, hochschulnahe Beratungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen und studentische Elterninitiativen den Fragebogen zu verteilen.
Wir bitten auch alle Teilnehmenden an der Befragung andere studierende Eltern auf unsere Untersuchung aufmerksam zu machen („Schneeballsystem“). Seit September 2004 ist der Fragebogen online verfügbar.

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Methodischer Ansatz

In dem Projekt werden quantitative mit qualitativen Methoden der Sozialforschung kombiniert.

Quantitativer Ansatz:
Es sind zwei schriftliche Befragungen bei der gleichen Gruppe studierender Eltern geplant.
Die erste findet im Sommersemester 2004 statt.
Im Jahr 2006 wird eine zweite schriftliche Befragung stattfinden. Ziel der Zweiterhebung ist es, Entwicklungen und Veränderungen der sozialen und der Einkommenssituation, Fragen des Studienerfolges und der Berufseinmündung zu erfassen.

Qualitativer Ansatz:
Da es in einer standardisierten schriftlichen Befragung nicht möglich ist, individuelle Besonderheiten, subjektive Bewertungen und Deutungsmuster zu erfassen, werden zusätzlich 30 qualitative Interviews durchgeführt. Die Bereitschaft zu einem solchen Interview wird bei der Ersterhebung erfragt.

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Praktische Umsetzung von Erkenntnissen

Die Ergebnisse der Untersuchung werden den Studentenwerken und Beratungsstellen der Hochschulen vorgestellt. In Kooperation mit diesen Einrichtungen werden Maßnahmen und Regelungen erarbeitet, die das Studium mit Kind erleichtern.